Das gecko art-Jahr 2026 steht im Zeichen von sophrosyne. „Besonnenheit“ oder „Mäßigung“ sind nur zwei von vielen Übertragungen. Wir wollen dieser Haltung auf partizipative und performative Weise nachspüren und die Ergebnisse u.a. in einem Audiofeature festhalten.

Ist es intelligent, Intelligenz auf den Prüfstand zu stellen? Kann das menschliche Denken sich selbst einer Untersuchung unterziehen? Die künstlerische Herangehensweise kann es zumindest versuchen.
Keine Angst, es wird keine „App“ (sorry für dieses Unwort) dafür entwickelt. Denn dem gecko art-Team schwebt bereits eine Richtung vor. Schließlich hält sich der schöpferische Geist, der nie ganz erklärt werden kann, fern von hitzigen Wettbewerben. Er würde sie ohnehin verlieren.
Er lässt sich auf schnelle, oft extrem nivellierend-naive Lösungen einfach nicht hintrimmen. Was er braucht, sind offene Orte zu offenen Zeiten, wo es weder Stoppuhren noch Koordinaten gibt.
Und genau dort ist es angesiedelt, das neue modulare Erkundungsprojekt. Es heißt SOPHROSYNE – Und es gibt sie doch, die Intelligenz der Ruhe. Von März bis September 2026 wird es in Kooperation mit der Initiative DAS SPRECH durchgeführt. Das Projekt ermutigt, mit einem frechen Fingerwisch die höchsteigenen Phones zu deaktivieren und sich auf „innere Zeitzonen“ zu fokussieren – denn nur letzteren ist „Nachhaltigkeit“ beschieden.

Innere Zeitzonen: An solchen Orten des Geistes stehen eigene Wahrnehmungen und (meist stark verknappte) Informationen bereit zur sorgfältigen Verarbeitung und zur Reflexion. Diese Zeitspannen, diese Areale des Rückzugs zu sich selbst sind unabdingbar. Denn sie können selbstbestimmte Gedankengänge initiieren und die Neugier und Wissbegierde des homo sapiens am Köcheln halten.
Achtung Wellnessgefahr! Diese spezielle Art der Wahrnehmung sollte keineswegs mit dem Modus des „Wohlfühlens“ oder mit irgendeinem Komfortarrangement der Marke „Sich-etwas-Gutes-Gönnen“ verwechselt werden.
> Projektseite SOPHROSYNE auf der Initiative DAS SPRECH
> AUDIO: Theme of Sophrosyne auf cba.media
> Achilles, die Schildkröte und Zeitstücke
> Das kleine Sophrosynergon
SOPHROSYNE – HALTUNG UND SUFFIZIENZ
Mit solchen Überlegungen stößt man unweigerlich auf den altgriechischen Begriff „sophrosyne“. „sophron“ bezeichnet ein Besonnen-Sein, Maßvoll-Sein, Maßvoll-Agieren, Vernünftig-Sein – in manchen Kontexten auch ein „Weise-Sein“. „sophrosyne“ durchstreift über mindestens sechs Jahrhunderte die Philosophie der Alten Griechen und Römer und lebt weiter bis in Diskurse der Gegenwart.
Man hält ein, blickt auf, hält inne, agiert besonnen, fällt keine vorschnellen Urteile, nimmt sich Zeit für Gedanken über sich selbst und über die Wahrnehmung der Welt (siehe ZEITSTÜCKE / gecko art). Man trifft einander an Orten, wo Displays freudigst abgeschalten werden, wo man Worte wechseln und einander Fragen stellen kann – vornehmlich in kleiner Runde und frei von Polter-Gehabe.

Die Ausstellung zum SPRECH-Projekt future lines hat es gezeigt: Neugier, Zuhörhaltung und verbindende Thematiken schaffen ganz von selbst Gesprächskreise. Und die „Intelligenz der Ruhe“ ist dabei der stille Gast.
Eine „Intelligenz der Ruhe“ kann das Gefühl für Suffizienz stärken. Suffizienz ist hier als Aufwand für jenes Ausmaß an Gütern und Prozessen zu verstehen, die für die Aufrechterhaltung der menschlichen Grundbedürfnisse absolut notwendig sind. Die Kunst – sei es dramaturgisch oder bildnerisch – kann da äußerst hilfreich sein – und wird es auch.
Es ist unnötig, für diese spezifisch menschlichen Unternehmungen einen künstlichen Geist ohne Seele zu beauftragen. Wenn dies ohne Beeinflussung und Einflüsterung von links oder rechts, von oben oder unten vonstatten geht, kommt man vielleicht den Pfaden einer ruhigen Intelligenz sehr nahe. Die Annäherung soll mithilfe unterschiedlicher Projektmodule erfolgen.
Projektdurchführung von März bis September 2026
Die Projektvorbereitungen finden in den Monaten März und April statt. Von Mai bis September sind unterschiedliche performative und partizipative Aktionsmodule geplant. Sobald die konkreten Termine und Ort feststehen, werden sie hier sowie auf dem SPRECH-Web zu finden sein.
DAS GESPRÄCHS-MODUL (partizipativ): Neben Gesprächsrunden und Stadtwanderungen in Wien sind auch Treffen in ausgewählten Wiener Kultureinrichtungen sind zum sophrosyne- Thema vorgesehen.
DAS AUDIO-MODUL (partizipativ): Audio-Aufnahmen, Interviews und Stellungnahmen bei den Projektaktivitäten münden in die Produktion eines künstlerischen Audiofeatures, welches die Ereignislage wie Narrative der Gegenwart mit dem Themenkreis um „sophrosyne“ in mehreren Audiokapiteln zusammenfasst.
DAS „KLEINE SOPHROSYNERGON“ (partizipativ): Bei den Projektaktivitäten wird eine bewegliche gecko art-Kleinskulptur (((Link))) mit einer Figur namens „Yadid“ („Freund“) mitgeführt. Die plastisch-bildnerische Ausdrucksform ist eine Einladung, den Begriff sophrosyne „via hands on“ in leichte und stille Kreis- und Pendelbewegungen zu versetzen.
DIE TORBOGEN-PASSAGE (partizipativ): Auf theatralische Weise und in Slow Motion-Manier haben interessierte Personen die Möglichkeit, auf ausgewählten Aktionsarealen einen „mobilen Torbogen“ zu durchschreiten, während dieser vom Projektteam im Gleichgewicht gehalten wird.
DAS PERFORMANCE-MODUL: Das sophrosyne-Projekt ist gleichzeitig Première der „Expo-Formance“, eines Mehrfachformats bestehend aus Performance, Lesung, Sound-Art und Ausstellung. Geplant sind zwei Expo-Formances, eine zu Texten von Evelyn Blumenau, die andere zu Texten von Walter Kreuz.
Interessierte Personen sind herzlich eingeladen, sich – per Anmeldung – an den partizipativen Modulen zu beteiligen. Termine werden ab Mitte April auf dieser Seite sowie auf der Projektseite der Initiative DAS SPRECH bekanntgegeben. Für nähere Informationen nehmen Sie bitte mit uns KONTAKT auf.
„SOPHROSYNE – Und es gibt sie doch, die Intelligenz der Ruhe“ – ein Projekt der Initiative DAS SPRECH in Kooperation mit der Künstlergruppe gecko art.
