gecko art Projekte

„Das Hörspiel kommt zu den Menschen“. Mit dieser Ansage zur Audiomobilität des gecko art-Duos entwickelten sich in den letzten 25 Jahren unterschiedliche, meist performative Konzepte, um aus den schalltrockenen Studios herauszukommen, das Nötigste an Tonequipment an unterschiedlichsten Orten aufzubauen und das Format ‚Audio‘ mit dem Format ‚Theater‘ zu verbinden – z.B. in Seminarräumen, in Ausstellungshallen, in Galerien, in Zelten, in Bibliotheken, in Messehallen, in Büroräumen, in Geschäftslokalen, in Lehrwerkstätten, in Bildungseinrichtungen, in Rathäusern, auf Wiesen, in Fußgängerzonen, sogar auf Berghütten oder auf Schiffen.

gecko art-Projekten geht oftmals eine empirische Vorlaufphase voraus. Die Konzeption eines Hörspiels oder einer Audioperformance ist meist mit ästhetischer Erst-Rezeption an Orten verbunden, die „vertont“ werden sollen. Audiokoffer und Mikrofone sind fixe Bestandteile der Outdoor-Hörerkundung, die auch Stellungnahmen interessierter Personen mit einbezieht. So entwickeln sich aus Ideen partizipative Projekte mit kritisch-bewussten Teilnehmenden, die das Kunstwollen des Duos (sei es Performance, Audiokunst oder Textwerk) von innen her aufmischen und mitprägen.

Mit den Möglichkeiten von Sprache, Audiokunst und Text gestaltet das gecko art-Team themenbezogene Hörwerke (für die Bühne ebenso wie für Radio und Podcast). In seinen partizipativen und performativen Projekten zu (Stadt-)Raum, Gesellschaft, Zeit und Sprache begibt sich gecko art auf die Suche nach einem konstruktiven Miteinander, nach sozialen Unterbelichtungen, nach faktisch gelebter Offenheit und nach einem nicht enden wollenden Stimmen-Pluralismus.

gecko art-Projektbeispiele

Stadtraum: Textstreckennetz / Die Luft dieses Sommers
Gesellschaft: k(EINE) Zeit fürs Ehrenamt / PLATZ NEWS LIVE / Audio vor Ort
Zeit: Zeig mir, was Zeit ist / SEKUNDENBRUCH
Sprache: Sag’s vielen … vielen – Die Ahnungen der Bertha von S. / AM VISIO*PHON

Feature-Hörbespiel
Aktivitäten und Stationen seit 1993
Projektarchiv 1993-2020

Sophrosyne – das kleine Sophrosynergon

Im „Gepäck“ des Projekts sophrosyne führen wir diesmal bei all unseren Aktivitäten eine Kleinfigur mit. Diese Skulptur kann bewegt werden, pendelt sich aber immer wieder von selbst auf ihren Ruhepunkt, auf ihre „ruhende Mitte“ ein.

 

EINE FIGUR IN SCHRÄGLAGE als unsymmetrische Begleitung
des Projekts „SOPHROSYNE – UND ES GIBT SIE DOCH, DIE INTELLIGENZ DER RUHE“:

Leonardo da Vinci’s Zeichnung des Ideals eines „Vitruvianischen Menschen“ wird eine Holzfigur namens „Yadid“ gegenübergestellt. Darin ist nichts idealtypisch konstruiert, nur der Nabel befindet sich wie beim Vitruvianer im Zentrum der skulpturalen Zusammenstellung.


DAS KLEINE SOPHROSYNERGON: Die Kleinskulptur aus Holz (Esche und Buche), Acryl, Metall und Blattgold wurde von Walter Kreuz ersonnen und erbaut, in deren Mitte „Yadid“ zu finden ist. Die Figur besteht aus zwei Schichten – einer Vorderfläche und einer Hinterfläche.

Dies ist ein Ausführungsdetail, welches dem Philosophen Michel Foucault geschuldet ist. In „Sexualität und Wahrheit, Teil 2“ beginnt er das Kapitel zu sophrosyne mit Rückblick auf Xenophon u.a. mit diesen Worten (Zitat):

„… Die sophrosyne, der Zustand, zu dem man durch Übung der Beherrschung
und durch Zurückhaltung in der Praktik der Lüste zu gelangen strebt,
zeichnet sich durch Freiheit aus (…) Die Haltung des Individuums zu sich selber,
die Art und Weise, in der es seine eigene Freiheit gegenüber seinen Begierden wahrt,
die Souveränität, die es über sich ausübt, sind ein konstitutives Element des Glücks …“
(aus Kapitel 4 – Freiheit und Wahrheit, S. 104/105).

Die Freiheit, die hier in Zusammenhang mit sophrosyne genannt wird, ist in der Kleinskulptur durch bewegliche Bögen dargestellt. In deren Innerem ist die Yadid-Figur in fast schwebender und deutlich schräger Position platziert. Gibt man den Bögen händisch einen Drehimpuls, pendelt sich die Figur samt Bogen letztendlich auf einen Ruhepunkt – den sophrosyne-Punkt – ein.

Dinge zwischen den Worten & Blickfang in den Sprechpausen

Oft bringt das gecko art-Team eigens gestaltete Kunstobjekte in seine Performances und Projekte ein. Manchmal ist es eine Tischmarionette, dann wieder ein handgeschriebenes Buch oder ein Großbild von 6 Quadratmetern. Klanggeneratoren oder Fragezeichen-Skulpturen sind ebenfalls auf der gecko art-Audiobühne vertreten. „Multimedial“ ist nicht der richtige Ausdruck für diese Mehrgestaltigkeit. Eher ist es eine Lese-Performance mit haptischer Komponente. Darin kann das Publikum sein „Berührt-Werden“ durch Berühung von Performance-Objekten erwidern. Oft geschieht dies in Spielpausen oder nach Veranstaltungsende.


Der Klanggenerator Rillophon (links) und das Fragezeichen (rechts) „spielten“ u.a. im Live-Hörspiel SAG’S VIELEN, VIELEN mit. Das Kedubiano und der CODEX KEDUBE (Abb. in der Mitte) waren „Objektgäste“ in der Performance Traumbilder eines Grönlandwals.

> Achilles, die Schildkröte und Zeitstücke
> Projektseite SOPHROSYNE auf der Initiative DAS SPRECH
> AUDIO Theme of Sophrosyne auf cba.media

sophrosyne – Achilles, die Schildkröte und Zeitstücke

Der Themenbogen um sophrosyne ist der Ort, an dem sich die meisten der gecko art-Projekte treffen. Denn die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit hat viele Formen – und Ausformungen. Das Nachspüren einer „Intelligenz der Ruhe“ führt uns abermals zum Phänomen Zeit – und zu unseren „Zeitstücken“ der letzten 10 Jahre.

 

Zeit & Intelligenz – Gedanken zum Projekt
SOPHROSYNE – UND ES GIBT SIE DOCH, DIE INTELLIGENZ DER RUHE„:

Zeit ist ein weites Feld, Stress ist ein enger Strich, der früher vielleicht einmal das weite Feld gewesen ist. Es braucht Mut fürs Sich-Zeit-Nehmen. Auch in Krisenzeiten. Um klar denken zu können, um Dinge zuende denken zu können. Immer sollte Zeit für Zeit sein. Für Zeit und ihre Stücke. Es ist wie beim Wettlauf von Achilles und der Schildkröte. Je mehr man sich in das Thema Zeit vertieft, desto mehr Ebenen breiten sich aus.

Wenn man einmal damit beginnt, entsteht das Gefühl, sich unentwegt mit „Anfängen“ auseinanderzusetzen. So wie Achilles die Schilddkröte niemals einholen kann, weil er unabzählbar viele immer kleiner werdende Wegeinheiten überwinden muss, geht es dem gecko art-Team, wenn es sich „mit Zeit verabredet“.

Und eine künstlerische Herangehensweise vervielfacht die Möglichkeiten ein weiteres Mal. Insbesondere die Entstehungsphase des gecko art-Audiofeatures VERABREDUNGEN MIT DEM WESEN DER ZEIT (2022/23) ließ vermuten, dass das Thema Zeit im Kontext mit menschlicher Wahrnehmung noch lange nicht ausgeschöpft war.


Momente aus den ZEITSTÜCKEN ENGEL 3.0, GRAMMATIK DER STILLE und CHRONONIMA. Im Zeitraum 2016 bis 2025 entstanden zwölf Projekte in Form von künstlerisch-dramaturgischen „ZEITSTÜCKEN“, durch die sich ein roten Faden zu ziehen schien. Evelyn Blumenau dazu: „Wir suchten und analysierten – und wurden fündig: Achilles hat uns zwar nicht ans Ziel, aber zumindest zu den Alten Griechen gebracht. Die schöpferische (und zugleich unerschöpfliche) Quelle war sophrosyne“.

> Das kleine Sophrosynergon
> Projektseite SOPHROSYNE auf der Initiative DAS SPRECH
> AUDIO: Theme of Sophrosyne auf cba.media

Audioproduktion für Apropos Objekte

Mit dem Projekt „Apropos Objekte – von lebendigen Artefakten“ luden wir gemeinsam mit dem Volkskundemuseum Wien von November 2021 bis Juni 2022 ein, Objekte seiner Dauerausstellung zu vertonen, und auf diese Weise den Exponaten „Leben“ einzuhauen. In Kooperation mit der Gruppe gecko art hatten interessierte Personen die Möglichkeit, über ausgestellte Objekte zu spekulieren, zu visionieren und ihre Eindrücke per Sprechaufnahme festzuhalten.

Ob sachliche Beschreibung, Geschichten, Stellungnahme, Kritik, Widerspruch, Assoziation oder Innerer Monolog – die Betrachtungsperspektive von BesucherInnen sollte mit dem Projekt zu einer Hörperspektive werden, zur einer Art „zweiten Legende“.

Diese aufgenommenen „Legenden“ sind nicht nur bei den „vertonten“ Objekten in der Dauerausstellung via QR-Code hörbar, sondern dtehen auch auf einem Projektpodcast zum Streamen und Kommentieren bereit und kommen ausschnittsweise in Radiosendungen zur Ausstrahlung – d.h. unterschiedliche Audioformate erzählen von „lebendigen Artefakten“ des Volkskundemuseums in der Wiener Laudongasse.

 

Nachdem die Workshoptermine bis Jänner 2022 Corona-bedingt im Online-Modus durchgeführt wurden, konnten wir ab Februar vor Ort arbeiten. Für die Teilnahme war kein Vorwissen erforderlich. Die Aufnahmen konnten entweder am eigenen Smartphone oder mittels gecko art-Aufnahmegeräten durchgeführt werden.

Login-Bereich für Teilnehmende
Projekt-Podcast

Die Nacht, das Brot und die Liebe

Ein Hörspiel – zweigeteilt. Mit diesem Audiostück begibt sich gecko art in den Untergrund und zu den Bäumen einer Stadt. Die ProtagonistInnen: Zwei alte Menschen namens Egon und Ingrid sowie eine Vielzahl von Bäumen, die über die menschliche Lebensart spekulieren.

> Anhören in der Radiothek

GIB MIR DAS BROT

Ort der nächtlichen Handlung von TEIL 1 („Gib mir das Brot“) ist der Bahnsteig einer Wiener Schnellbahnstation. Jenseits von Pandemie-Stimmung und Maskenpflicht geht es um eine ganz und gar nicht zufällige Ausnahmesituation, die in (fast) allen Zeiten spielen könnte. Ein Mann und eine Frau, beide weit über 70 Jahre alt, treffen im Untergrund aufeinander. Zwischen Brot, Liebe und Abhängigkeiten navigieren sie ihre schwankenden Existenzen durch psychische Zwischenwelten, Gedankenströme und reale Zusammenstöße. Evelyn Blumenau konzipierte die Vorlage für das Hörstück, das an einen langen inneren Monolog erinnert, und mit einem teilweise hypnotischen Soundtrack verwoben ist.

WIE LEBEN? – FRAGEN DIE BÄUME

TEIL 2 („Wie leben? – fragen die Bäume“) erzählt von einem der darauffolgenden Tage. Die Erzählperspektive wird gewechselt, Bäume einer Stadt erheben ihre Stimmen und stellen die Frage nach der menschlichen Lebensart. Ulme, Linde & Co spekulieren über die Art und Weise, wie intelligente Zweibeiner ihr Leben einrichten. Ein älteres Paar, das offensichtlich planlos und glücklos in den Tag hinein lebt, erregt dabei ihr besonderes Interesse.

Beide Hörspielteile beruhen auf Texten von Walter Kreuz. Die Figuren Ingrid und Egon basieren auf einem realen Personenpaar, welches in den 1990er Jahren in Wiener U-Bahn- und Schnellbahnstationen aktiv war. Das „Wie leben-Thema“ aus Teil 2 ist ein wiederkehrendes Motiv bei Live-Performances des gecko art-Teams.

Die Audioarbeit „Die Nacht, das Brot und die Liebe“ wurde im Rahmen des UNESCO-Weltradiotags am 13.02.2022 erstmals ausgestrahlt.

SLOW MOTION ZONES

Zeitlupe ist interaktiv – in Echtzeit & Echtraum. Was, wenn mitten in der schnelllebigen Stadt ein Areal betreten werden könnte, auf dem sich plötzlich alle Bewegungen, alle Geräusche, alle sprachlichen Äußerungen verlangsamten? In unserer Reihe ZEIG MIR, WAS ZEIT IST präsentieren wir eine interaktive Open air-Variante zum Themenkreis ZEIT. Wir starteten die SLOW MOTION ZONES im Sommer 2020 als Straßenperformance im Rahmen von „WOHNSTRASSENLEBEN“ in Kooperation mit space and place. Personen waren (und sind weiterhin) eingeladen, Zeit zu dehnen. Übrigens: Bei dieser Straßenkunstaktion liegt der projektinterne Rekord im Langsam-Gehen einer Strecke von 10 Metern bei 20 Minuten (d.h. bei 2 Minuten pro Meter

Zeitbremsung als unsichtbares Band zwischen den Performenden

Bewusst verlangsamte Bewegungsabläufe im öffentlichen Raum können zum Statement werden. Von speziellen Soundtracks begleitet, passieren wir verschiedene (Stadt-)Punkte und (Stadt-)Objekte. Wenn gewünscht, werden Szenenabläufe vor Beginn der Aktion vereinbart. Auch bietet sich die Möglichkeit, Bewegungen aktiv zu gestalten, sie zu vergrößern, zu variieren und neu zu erfinden. Und überhaupt: Ungewöhnliche und fantasievolle Arten der Fortbewegung, des Gehens, Schreitens, Schlenderns, Trippelns, Schlängelns, Tänzelns sind herzlich willkommen. Meist entstehen lustvoll-skurrile Bewegungsmuster ganz von selbst, wenn Gänge in kleinste Abläufe zerlegt und fortan nicht mehr als Automatismen wahrgenommen werden.

Vom Geheimnis der performativen Langsamkeit

Verlangsamung ist keineswegs nur ein physikalischer Begriff, der bloß die Änderung einer Größe angibt. Änderung von Geschwindigkeit hat eine stark emotionale Komponente. Viele Handlungen im Alltag sind an bestimmte Geschwindigkeiten gebunden. Bewegt sich jemand langsam, passt diese Bewegung oftmals nicht ins gewohnte (Stadt-)Bild, und andere sind allzu schnell versucht zu helfen, zu beschleunigen – oder weichen dieser Person großräumig aus. Doch mit Beschleunigung kappen wir immer einen Teil unserer Erfahrung, intensivieren die Quantität der Bewegung und mindern ihr qualitatives Erleben. Manchmal gehen dabei Denk-, Interpretations- und Beurteilungsspielraum verloren.

Add on: Slow Talks

Kann sein, dass Interaktionen in Langsamkeit mit Peinlichkeiten beginnen. Mit etwas Geduld und Experimentierfreude kann die begonnene Aktion in ein vielschichtiges Spiel wechselseitiger Gesichtsmimiken münden. und Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen. Bewusste Sprachververzögerungen bei „SLOW MOTION TALKS“ können sogar Obertöne in der Stimme hervorbringen. Positiver Nebeneffekt: Man fällt einander nicht (mehr) ins Wort, man hat „viel Zeit für Gesprächspausen“ und für wohlüberlegte Antworten. Personen, die an „Slow Talks“ im Rahmen der Straßenkunstaktuon teilgenommen haben, werden sich lange an diese „Gespräche“ erinnern.

Alternative zur Scheinwelt der Film-Zeitlupe

Den MÄRCHENBILDERN, welche die filmischen Zeitlupe aus realen Situationen macht, setzen wir ECHTE ZEITVERZÖGERUNG entgegen – performativ und interaktiv. Denn Zeitverzögerung als dramaturgische und eigenbestimmte Improvisationsvorgabe bietet gleichermaßen Refugium wie auch Performance-Podium. Beteiligte steuern Bewegung und Erfahrung durch den Stadtraum – und erschaffen ganz nebenbei theatralische Zeit-Welten in dicht verbautem und verkehrsintensivem Gebiet.

Solche und viele weitere Überlegungen unserer Audiokunstgruppe führten zur SLOW MOTION ZONES-Konzeption (Walter Kreuz). Ein wesentliches Element stellen die für das Projekt von Evelyn Blumenau gestalteten Soundtracks dar, die dieser Straßenkunstaktion den tonalen Raum geben. Die Aktionen finden selbstverständlich unter Einhaltung aller notwendigen Sicherheitsbestimmungen statt.

Was uns die Luft des Sommers 2020 zu sagen hat

Unsere Luft steht im Jahr 2020 ganz besonders im Fokus. Dass wir sie brauchen, um auf diesem Planeten überleben zu können, ist evident, aber was wäre, wenn sie – weit darüber hinaus – uns etwas mitteilen möchte? Aus gegebenenem Anlass in Zeiten der Pandemie verfolgt das gecko art-Duo diese fiktive Spur und will die Atmosphäre über unseren Köpfen tönen lassen. Im neuen Audiostück, welches im Aug/Sept 2020 bereits zweimal in Wien zur Aufführung kam, überschreitet die Luft einen Schwellenwert und wird von Sprache durchdrungen.

2020 – DIE LUFT DIESES SOMMERS
Poetische Luftanalyse & Live-Audiostück
von und mit Evelyn Blumenau und Walter Kreuz

Die Luft tönt. Wir sollten hinhorchen. Denn diesmal ist es kein Säuseln, Pfeifen, Heulen oder Zischen, sondern eine Schnoddrigkeit von Halbsätzen und Gedankenfetzen, wie es zu Beginn des Performance-Textes heißt. Dies wirft die Frage auf, ob Töne auch erschnuppert werden können, und somit rückt das Riechorgan Nase in den Mittelpunkt. Man schnüffelt an den Klängen und erkundet die Stadt auf verhaltensauffällige Weise. In Wahrheit erkundet man sich selbst, reflektiert alles Vergangene, bewertet die Gegenwart und prüft Wege in eine mögliche Zukunft.

… Maximal X Minuten für Gänge, Läufe, Flüge auf den Straßen der Stadt.
… X Minuten und ein Tag.
… Ist wahr, ist! Welch Glück.
… Spüre Kraft, ungezähmt. Und rieche die Luft.
… Feuchttrocken die Luft. Aufregend die Luft.

Die Luft dieses Sommers – gesellschaftlich und individuell

Dass sich Luft aus einem Gemisch von gut 77% Stickstoff, 21% Sauerstoff und weiteren Spurenelementen zusammensetzt, ist hinlänglich bekannt. Von der Physik einmal abgesehen, liegen in der Luft dieses Sommers jedoch ganz andere Bestandteile – etwa 39% Krise, 15,5% Verunsicherung, 11% Ideenlosigkeit, je 3% Moralismus, Autoritätsglaube und Wirtschaftshörigkeit, aber auch 3,4% Empfindung einer neu aufkommenden Form von uneitler Nähe unter Menschen. Und dies verlangt geradezu nach einer poetischen Luftanalyse, in welcher die Grenzen zwischen Geruch, Geräusch und Sprache verschwimmen. Das Tönen der Luft verstört, und manch fest gefahrene Gewohnheit konkurriert auf einmal mit dem Wunsch nach Neuem, nach Unbekanntem oder nach der Umkrempelung des gesamten Lebens.

Ein Audiostück als eine Folge der Bremsung gewohnter Abläufe – lokal und global

Das 40minütige Audiostück kreist um das Herunterfahren der alltäglichen Prozesse aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie. Audioschaffende haben mitunter das Gefühl, als wären damit alle Regler eines globalen Mischpults heruntergefahren worden. Die Erzählung des gecko art-Duos beginnt an einem Tag Mitte April 2020 mit Gedankenfetzen und fragmentarischen Sätzen, welche die durch den „Shutdown“ entstandene Stille unterbrechen. Daraufhin setzen skurrile Wanderungen durch den Stadtraum ein und initiieren „Schritt für Schritt“ einen Perspektivwechsel, der den Blick auf sich selbst und auf die Umgebung grundlegend verändert. Evelyn Blumenau und Walter Kreuz präsentieren ihr Programm mit Live-Leseteilen, lyrischen Performances sowie Soundtrack-Einspielungen. Das Live-Audiostück wird mit eigenem Equipment (INDOOR oder OUTDOOR) aufgeführt.

Aus diesem Audiostück entstand auch eine RADIOVERSION (> Anhören), die im August 2020 zur Ausstrahlung kam.

Die Magazin-Reihe FEDER, LUFT & LINSE der Gruppe gecko art erscheint seit 2009 in Printform oder online in anlassbezogenen Abständen (siehe auch Nr.15, Nr.14, Nr.13, Nr.12, Nr.11, Nr.10 bzw. Nummern davor auf Anfrage).

(Redaktion / 21.06.2020)

HIER SPRICHT ZEIT

Das Live-Hörspiel HIER SPRICHT ZEIT bringt grundlegende Fragen zur Sprache: Was ist Zeit? Was sagt die Physik dazu, was die Philosophie? Wie empfinden wir Zeit? Wie nützen wir Zeit, was ist „kostbar“ an Zeit? Zu hören sind dramaturgisch gestaltete Audiostücke mit den Live-Stimmen von Evelyn Blumenau und Walter Kreuz. Klanggeneratoren und Instrumente kommen zum Einsatz, atmosphärische Zuspielungen ertönen. Und: ZEIT meldet sich höchstpersönlich zu Wort.

> Audiovisueller Teaser auf Vimeo (07:45)

HörspielerInnen on stage

Die Präsentation ist in der Art eines live vorgetragenes Audiofeature gestaltet und bietet Information zum zeitlosen Thema Zeit und Hör-Theaterszenen. Mitunter schlüpft das Performance-Duo in Sprechrollen einer dramaturgisch aufgebauten Szene.

Das „zeitlose“ Thema Zeit

Zu hören sind (mitunter lyrische) Variationen über den ZEITBEGRIFF, über „Zeit“ und „Zeiten“ sowie kulturgeschichtliche Auszüge (HIMMELSSCHEIBE von Nebra, STERNENUHREN des Alten Ägyptens, vorsokratische PHILOSOPHEN Kleinasiens, STUNDENBÜCHER des Mittelalters). Thematisiert werden ebenso Albert Einsteins Uhrenexperiment, Lisa Randalls Paralleluniversen in „Warped Passages“, Stephan Hawkings „Kurze Geschichte der Zeit“) oder David Deutsch und die Widersprüche von Zeitreisen, aber auch die Zeitenwende 1989, das Ende des geteilten Europas.

Das Publikum hat die Möglichkeit, sich selbst ein „Hör-Bild“ von Zeit zu machen. Die unterschiedlichen Audiostücke sind auch als Anregung zu verstehen, Zeit zu bremsen, das enge Korsett von Stunden, Minuten und Sekunden zu lockern und Wahrnehmungen (wieder) auf individuelles Zeitempfinden abzustimmen.

Werke der Performenden als Sound- und Textbeiträge

Ins Live-Hörspiel werden auch Werke der beiden AkteurInnen miteinbezogen. So gibt es etwa Zuspielungen aus dem „ZEIT.WANDER.WERK“, einer Soundtrack-Komposition von Evelyn Blumenau sowie Soundcollagen von Walter Kreuz, die zum Teil im audio vor ort-Modus entstanden sind. Präsentiert werden auch kurze Textauszüge aus „SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4“ von Walter Kreuz (Buchpublikation, edition splitter wien 2018, Illustrationen, Layout und Satz: Lisa Kröll, ISBN 978-3-9504404-4-7).

Parallelprojekte der Gruppe gecko art um das Zeit-Thema

Das Live-Hörspiel HIER SPRICHT ZEIT ist Teil des Projektzyklus ZEIG MIR, WAS ZEIT IST. Bereits seit Februar 2019 laufen Projekte, die das Thema Zeit mit anderen Lebensbereichen verbinden, etwa mit EHRENAMT (Live-Hörspiel k(EINE) ZEIT FÜRS EHRENAMT, präsentiert im März 2019 im Kunsthaus Horn in Kooperation mit dem BhW NÖ) und SEKUNDENBRUCH (partizipatives Live-Hörspiel zum art contains-Projekt ZEIT LASSEN in St.Ruprecht ob Murau in Kooperation mit dem Institut für Interaktive Zeitprojekte). Der Titel dieses Hörspiels bezieht sich auf Walter Kreuz‘ Buch „Sekundenbruch auf Straße 4“ (siehe oben), welches im Herbst 2018 im Museumsquartier Wien präsentiert wurde.
Im September und Oktober 2019 wurde ein Audio-Projekt namens SEE-ZEIT durchgeführt. Interessierte Personen aus der Seestadt sowie Lehrlinge aus Wiener Berufsschulen suchten nach „Zeitorten“ in der Seestadt, einem neuen Stadtteil in Wien-Aspern, und produzierten Audioaufnahmen. Kooperationspartner waren das Stadtteilmanagement Seestadt, die Wien 3420 aspern Development AG und KulturKontakt Austria.

Mahmoud und die Kunst des Kopiergesprächs

Mahmoud und die Kunst des Kopiergesprächs
Von beredter Stille in den Orchesterpausen der Maschinen

Ein gecko art-Radiofeature zu einem einstmaligen Begegnungsort der besonderen Art
57:00 / Erstausstrahlung: 29.12.2019, 16.00 Uhr auf Radio Orange 94.0

Die Sendung wurde im November 2020 mit dem Radiopreis der Erwachsenenbildung ausgezeichnet. Die Preisverleihungsfeier fand am FR, 26.02.2021 im RADIOKULTURHAUS statt (Aufzeichnung des Webstreams der Preisverleihungsfeier / Präsentation der Mahmoud-Sendung ab ca. 23:40)

Autor der Sendung und Gesamtleitung: Walter Kreuz
Musik und Sounddesign: Musikgruppe NOVISAD
Gesang und Tonregie: Evelyn Blumenau / Gitarre: Klaus Schuch
ErzählerInnen: Evelyn Blumenau und Walter Kreuz
Moderation: Barbara Stieff und Klaus Haberl
Produktion: gecko art
Auf CBA-media: HÖRLINK zur Gesamtsendung
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Zum Radiofeature

Im Mittelpunkt der assoziativen Radioerzählung steht Mahmoud, der 1941 in Ägypten geboren wurde. In den 1970er Jahren kam er als Migrant nach Wien und hatte sich Mitte der 1980er Jahre mit seinem kleinen Kopiergeschäft „IKAS“ im Wiener Bezirk Josefstadt selbstständig gemacht.

Der Laden des studierten Betriebswirts wurde schon sehr bald nach seiner Öffnung zu einem Ort, welcher unterschiedlichste Menschen auf einzigartige und feinfühlige Weise zusammengebracht hatte. Die überaus ruhige, weltoffene und gastliche Wesensart des Ägypters verwandelte die Lokalität zu einer stressfreien Zone, an der Zeit „anders“ verging als anderswo in der Großstadt. Aus dem Laden wurde eine Art Zentrum, in dem fremde Personen ihr Herz ausschütten konnten – gleichgültig ob sie eine Anwaltskanzlei leiteten, ob sie in ambulanter phychiatrischen Betreuung standen, ob sie mittellos waren.

Es entstand quasi eine WILLKOMMENSKULTUR MIT VERTAUSCHTEN ROLLEN. Mahmouds integrative Persönlichkeit und seine einfühlsamen, oft freundschaftlichen „Kopiergespräche“, die weit über die übliche geschäftliche Kommunikation hinausgingen, erzeugten eine äußerst angenehme, verbindende und „in sich ruhende“ Atmosphäre). Mitunter vergaßen unterschiedlichste KundInnen ihren Zeitdruck, kamen zur Ruhe, setzten sich zusammen und begannen, sich miteinander zu unterhalten – nicht selten unter Mahmouds zufriedenen Blicken.

Im Feature berichtet der ehemalige Inhaber des Ladens aus seinem Leben und von seinem Laden und dessen KundInnen, und er philosophiert über Aspekte des Zusammenlebens und über das menschliche Leben an sich. Dazwischen sind Stellungnahmen ehemaliger KundInnen, FreundInnen und Bekannter eingestreut, die sich aus der zeitlichen Distanz heraus an die zahlreichen und innigen Treffen mit Mahmoud erinnern, als hätten sie erst am Vortag stattgefunden.

Denn keine Selbstbedienungskopier-Anstalt, meinten einige an den Mikrofonen, konnte diese Lücke, die der ägyptische Kopiermann hinterlassen hatte, schließen. Und das war auch der Beweggrund für diese Radioarbeit. Bis zu seinem Tod im Frühjahr 2023 lebte Mahmoud in äußerst bescheidenen Verhältnissen in Wien-Brigittenau.

Diese „M“ – überall ist sie, überall spricht sie

Diese mit unserem Artikeltitel gleichnamige Sendung bringen wir aus Anlass des INTERNATIONALEN TAGS DER MATHEMATIK, welcher im November 2019 von der UNESCO zum Welttag erklärt wurde. Der 14. März war bereits seit vielen Jahren als  „PI-Day“ (als Festtag der Kreiszahl PI) mit weltweiter Beteiligung zahlreicher Universitäten und anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen gewürdigt worden.

 

Diese „M“ – überall ist sie, überall spricht sie
Sendetermin: SA, 14.03.2020, 17.00 Uhr
Sendereihe WBC-We BroadCast auf Radio Orange 94.0
Webstream zur Sendezeit / Programmseite am Sender

Das Datum „14.03.“ (in US-Schreibweise 3-14) sind die ersten Ziffern von PI (3,14159265……), zugleich ist der 14. März Albert Einsteins Geburtstag und Stephen Hawkings Todestag. Aus diesem Anlass wiederholen wir eine im Jänner 2017 erstausgestrahlte Sendung, die zufälligerweise mit dem Motto (Die Mathematik ist überall) des Mathematik-Welttags 2020 korelliert. Der Buchstabe „M“ steht darin für Mathematik. Dass die Sprache der Mathematik universell (jedoch mitunter schwerer als Sprachen zu erlernen) ist, scheint evident. Wir erweiterten im Zeitraum 2017 bis 2018 diesen Gedanken und fragten uns: Wie sprechen Menschen „Mathematik“? In wie weit kann Mathematik mit ihren Stimmen sprechen? Daraus entstand das Projekt MATH>SPEAKS, in welchem Menschen mit und ohne Flucherfahrung nach eigenen Ideen mathematisches Basiswissen in audiovisueller Form gemeinsam präsentierten. In der Sendung, die für den Radiopreis der Erwachsenenbildung 2017 nominiert wurde, sind auch Statements des irakischen Mathematikers Sama Al Shakly zu hören. Dieser Programmteil kann HIER nachgehört werden. Diese „M“ – überall ist sie, überall spricht sie weiterlesen